Gedanken zum iPad

Apples letzte beiden Quartalszahlen (1. und 2. Quartal 2017) sind ausgesprochen gut. Das iPhone verkauft sich sehr gut, die Mac-Verkäufe sind gestiegen und auch der Bereich “Services” wächst kontinuierlich. Nur das iPad möchte hier nicht mitspielen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ist die Zahl verkaufter Einheiten weiter gesunken. Dabei dachten manche Analysten, dass das iPad Pro, das neben der 12,9‘’-Variante seit einiger Zeit auch als 9,7‘’-Modell angeboten wird, die Wende bringen würde. Ist das Gerät also nicht als Ersatz für ein Notebook oder gar einen Desktop-Rechner geeignet? Diese Aussage kann zumindest nur für das iPad oder für Android-Tablets gelten. Denn Windows-Tablets sind im Wachstum begriffen. Im vierten Quartal 2016 lag der Zuwachs sogar bei 19%.

sold iPad units Q2 2017
iPad-Verkaufszahlen

Die rückläufigen iPad-Verkaufszahlen haben nach meiner Ansicht mehrere Gründe. Und dazu gehört nicht, dass das iPad keine Alternative zu anderen Geräten sein könnte. Denn es gibt durchaus Nutzer, die kein Notebook oder gar einen Desktop-Computer benötigen, da sie lediglich im Internet surfen und Emails abrufen. Für diese Benutzergruppe ist ein Tablet mehr als ausreichend.

Darüber hinaus handelt es sich bei dem iPad um ein sehr benutzerfreundliches Gerät. Walt Mossberg merkte in seiner letzten Kolumne für die Technologie-Seite recode zurecht an, dass man dieses Gerät einem sechsjährigen Kind in die Hand geben kann und es kommt nach kurzer Zeit mit der Bedienung zurecht. Das zeigt den gewaltigen Fortschritt der letzten Jahre hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit von Computern im Allgemeinen und Tablets im Besonderen.

Das Kernproblem liegt in dem nicht – für Nutzer – vorhandenen Dateisystem. Der Umgang mit Daten jeglicher Art ist schlichtweg zu kompliziert. Immer wieder kommt man, selbst als versierter Anwender, an einen Punkt, an dem man sich fragt, wie eine Datei bestimmten Typs an eine andere Anwendung weitergereicht werden kann. Oder es stellt sich das Problem der Übertragung auf einen PC oder einen Mac. Nun könnte man argumentieren, dass in diesen Fällen ein Cloud-Dienst genutzt werden könnte. Dem kann man aber allenfalls nur bedingt zustimmen. Denn solange man sich lediglich in einem “Universum” aufhält, also beispielsweise nur Appe-Geräte verwendet, mag das noch eine halbwegs akzeptable Lösung sein, bei heterogenen Systemen ist man aber schnell zum Scheitern verurteilt. Hinzu kommt der Umstand, dass die verwendete App die Anbindung an den jeweiligen Cloud-Dienstleister unterstützen muss. Und das ist nunmal nicht immer der Fall, so dass man sich irgendwie anders behelfen muss. Und spätestens an diesem Punkt werden schon zahlreiche iPad-Besitzer frustriert ausgestiegen sein, so dass sie sich nicht mehr mit dem dritten möglichen Problem, dem Nicht-Vorhandensein einer passablen Internetverbindung, auseinandersetzen müssen.

Sofern man also seine Dokumente beispielsweise mit Ulysses schreibt und bearbeitet und neben dem iPad auch einen Mac nutzt, mag das iPad ein ideales Arbeitsgerät sein. Und sicherlich gibt es auch noch weitere positive Beispiele. Aber für alle anderen Anwender, die sich nicht in einer solchen Idealsituation befinden, ist meines Erachtens die Nutzbarkeit erheblich eingeschränkt. Diesen Nutzern muss derzeit von einem iPad-Kauf eher abgeraten werden.

Das mag auch der Grund dafür sein, dass die Verkaufszahlen für Windows-Tablets derzeit sehr gut sind. Die Anwender finden hier eben ein Dateisystem vor, wie sie es von einem Windows-PC kennen und gewohnt sind. Andererseits kann man freilich auch lästern und sagen, dass es angesichts des geringen Markanteils nur nach oben gehen kann.

Die WWDC 2017 wird womöglich einen Ausblick auf kommende iPads und ein neues iOS bieten. Man darf also gespannt sein, wie es weitergehen wird.

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